Lydie Auvray
"Regards" (CD / Media-Book 87133)
     
"Pure" (SACD 5.1 Surround Sound + CD 87106)
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  "Tango Toujours" (CD 87099)



     
  "Premiere & Paradiso" (CD 87021)

     
  Notenhefte und Bücher
 

REGARDS - Ein neues Album von Lydie Auvray ist wie Nachhausekommen - alles ist vertraut, sympathisch, warm, man findet sich zurecht und kennt sich aus. Aber dieses Nachhausekommen ist nicht das nach einem kurzen Einkauf oder langen Arbeitstag, es ist das nach einer Reise, denn auf all die Vertrautheit und Ruhe fällt auch der frische Blick dessen, der mit Freude und Erstaunen feststellt, dass etwas schön ist, ihn verzaubert oder rührt, und seinem entwöhnten Auge in unerwartetem Glanz erscheint.

In Wirklichkeit ist alles neu, weil man plötzlich begreift, dass in jeder Sekunde eine Zukunft beginnt. Wenn man einmal auf diese Art den Blick geändert hat, versteht man besser, was es bedeutet, wenn gesagt wird, dass ein Künstler "sich treu bleibt". Denn natürlich ist jedes Stück auf "Regards" neu und anders als frühere Stücke von Auvray, aber es ist eben noch immer Auvray, die sie komponiert, arrangiert und mit ihren großartigen Musikern eingespielt hat. Und sie ist sich und ihren Hörern treu.

Bei jeder Eroberung, die sie macht, jeder Inspiration, der sie sich überlässt, und jeder Finesse, die sie in ihr Repertoire aufnimmt, ist sie unverkennbar, unverfälscht und unbeirrbar Lydie Auvray, die Frau, deren spielerische Subtilität, Eleganz und Milde sich nur jedes Mal als noch ausgereifter und entspannter erweist.

"Regards" heißt auf französisch "Betrachtungen" oder "Anblicke", aber wenn man es auf englisch liest, sind es Grüße. Beides passt. Beides stimmt. Und für beides gilt, dass sie sehr persönlich sind, sehr unaufdringlich und dezent - die Anblicke nicht grellbunt und die Grüße nicht gebrüllt. - Das Album klingt unglaublich schön vom ersten bis zum letzten Ton - es ist ein schmeichlerischer Ohrenschmaus. Alles Feine, Subtile und Exquisite in dieser Musik nimmt wie ein Feuerwerk für die Augen oder eine Geschmacksexplosion für den Gaumen seinen Weg direkt durchs Ohr zu den entsprechenden Stellen im Gehirn, um dort alles, was an Endorphinen, Opiaten und Hormonen bereitsteht, in Richtung Glücksempfinden zu jagen

PURE - In den nunmehr 28 Bühnenjahren und der über 23 jährigen Zusammenarbeit mit meiner Band, den „Auvrettes“, habe ich immer die Situation genossen, mit anderen gemeinsam Musik entstehen zu lassen. Zum einen als führende Melodiestimme, zum anderen eingebettet in den Klang der anderen Instrumente. Und dann war da immer dieser Moment in den Konzerten, bei dem das Akkordeon alleine - pure - für sich stand. Kein Moment, um auf Fingerfertigkeit oder Virtuosität zu setzen, sondern auf Ausdruck und Gefühl. Da spürt man - auch als Spieler - ganz unmittelbar die vielfältige Gestaltungskraft des Balges, der geführt werden möchte.

Mit dieser Produktion habe ich versucht, diesen Augenblick festzuhalten. Mein Anliegen war, die ganze Dynamik aufzuzeigen, die im Balg des Akkordeons steckt und die sein Leben ausmacht. Ich wollte, dass man vom leisesten, traurigsten Einzelton bis hin zum lautesten, lebensbejahenden Akkord die ganze Palette hört und fühlt. Das geht nämlich - fast zwangsläufig - durch die anderen Instrumente ein wenig unter.


Bei den Vorbesprechungen für die Aufnahmen zu „pure“ wurde schnell deutlich, dass es sich hier um eine besondere Aufnahmesituation handelt. Akkordeon solo sollte im Raum erklingen und den Hörer ganz persönlich und direkt erreichen, und damit auch der Eindruck: Lydie sitzt neben oder vor mir und spielt nur für mich. - Da von Anfang an klar war, dass die Aufnahmen auch als 5.1 Surround Sound Produktion erscheinen würden, haben wir uns bei der Mikrophonierung um eine sehr räumliche und naturgetreue Abbildung des Akkordeons bemüht. Und das ist hörbar gelungen dank der hervorragenden Aufnahmearbeit von Brigitte Angerhausen (www.angerhausen.org).

TANGO TOUJOURS - Es ist ein bisschen wie beim Blues: da bekommt man im Wesentlichen nur drei Harmonien geboten – beim Tango ist es nur ein einziger Rhythmus. Umso mehr kommt es an auf die Farben, die Klänge, die Melodien, die Spielkultur und Musikalität, und hier – wer hätte anderes von Lydie Auvray und ihren Auvrettes erwartet – lässt es Tango Toujours an nichts fehlen. Unverbesserlich leicht und elegant kommt die Musik daher, mal getupft, gehaucht und pointilistisch, mal gezirkelt, mal gestanzt, immer mit Delikatesse und Seele zelebriert, schlendern die Tangos einer nach dem anderen oder stolzieren, schleichen, tänzeln, schreiten an unser Ohr und von dort ins Herz. Und in die Beine.
Verstärkt und aufs allerfarbigste unterstützt werden die Auvrettes bei diesem Album vom Streichquartett Indigo, und es klingt so homogen und warm, dass man glauben könnte, diese Zusammenarbeit sei in Jahren erprobt. Es ist als hätten sich zwei gefunden, die einander schon lang gesucht haben, man hört die Sympathie, sie überträgt sich und schwingt mit. Schön auch, wie der Streicherklang den Hauch von „Alte Welt" verstärkt, von dem der Tango schon immer umweht ist, die Prise Melancholie, das Zarte, fast scheue Element dieser von sich aus filigranen Musik.
Dies ist eine neue Facette im Oeuvre von Lydie Auvray, wie immer von ihrer Eigenart und Originalität geprägt, und diesmal mit einer zweifachen Verneigung dargeboten: einmal vor dem Tango, dieser eindringlichen und distinguierten Musik und dann vor dem Streichquartett als Klangkörper mit seiner anrührenden, beseelten Raffinesse des Ausdrucks und Klarheit und Wärme seiner Farben.
Beim Hören von Tango Toujours verspürt man Sehnsucht. Und fühlt sich doch wie angekommen. Vielleicht ist es die Sehnsucht nach solcher Musik? Nach dieser Musik? Deren Vorhandensein wir erst in dem Moment bemerken, da sie erfüllt wird?

PREMIERE + PARADISO - Die beiden Produktionen "Premiere" (1981) und "Paradiso" (1983) haben 70 Minuten Musikgeschichte geschrieben. Es gelingt der "Hexe auf den tausend Knöpfen" die als bierselig verschrieene Atmosphäre des Akkordeons mit einer gelungenen Mischung aus Jazz, Pop und sphärischen Klängen wegzuspielen und dem alten, Anfang der 80er Jahre für die moderne Musik totgeglaubten Instrument neues Leben einzuhauchen.

Quer durch Tango, Blues und Rock zeigt die Französin eindrucksvoll, dass in den Klangmöglichkeiten des Akkordeons mehr steckt, als manch einer geglaubt hätte, und dass sie im Zusammenspiel mit ihrer Band - den Auvrettes - ein wunderschönes Bild stimmungsvoller Musik malen kann.

Hier sind die bahnbrechenden ersten Produktionen auf CD, im Ton gründlich nachbearbeitet. Mit den Klassikern "Pic" (Hommage an den berühmten Roncalli-Clown, der die Musik für eine seiner Nummern verwandte), "Rumba Pa Ti", "Ca Va", "Tiko Tiko" u. a.

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