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REGARDS - Ein neues Album
von Lydie Auvray ist wie Nachhausekommen - alles ist vertraut, sympathisch,
warm, man findet sich zurecht und kennt sich aus. Aber dieses Nachhausekommen
ist nicht das nach einem kurzen Einkauf oder langen Arbeitstag,
es ist das nach einer Reise, denn auf all die Vertrautheit und Ruhe
fällt auch der frische Blick dessen, der mit Freude und Erstaunen
feststellt, dass etwas schön ist, ihn verzaubert oder rührt,
und seinem entwöhnten Auge in unerwartetem Glanz erscheint.
In Wirklichkeit ist alles neu, weil man plötzlich begreift,
dass in jeder Sekunde eine Zukunft beginnt. Wenn man einmal auf
diese Art den Blick geändert hat, versteht man besser, was
es bedeutet, wenn gesagt wird, dass ein Künstler "sich
treu bleibt". Denn natürlich ist jedes Stück auf
"Regards" neu und anders als frühere Stücke
von Auvray, aber es ist eben noch immer Auvray, die sie komponiert,
arrangiert und mit ihren großartigen Musikern eingespielt
hat. Und sie ist sich und ihren Hörern treu.
Bei jeder Eroberung, die sie macht, jeder Inspiration, der sie sich
überlässt, und jeder Finesse, die sie in ihr Repertoire
aufnimmt, ist sie unverkennbar, unverfälscht und unbeirrbar
Lydie Auvray, die Frau, deren spielerische Subtilität, Eleganz
und Milde sich nur jedes Mal als noch ausgereifter und entspannter
erweist.
"Regards" heißt auf französisch
"Betrachtungen" oder "Anblicke", aber wenn man
es auf englisch liest, sind es Grüße. Beides passt. Beides
stimmt. Und für beides gilt, dass sie sehr persönlich
sind, sehr unaufdringlich und dezent - die Anblicke nicht grellbunt
und die Grüße nicht gebrüllt. - Das Album klingt
unglaublich schön vom ersten bis zum letzten Ton - es ist ein
schmeichlerischer Ohrenschmaus. Alles Feine, Subtile und Exquisite
in dieser Musik nimmt wie ein Feuerwerk für die Augen oder
eine Geschmacksexplosion für den Gaumen seinen Weg direkt durchs
Ohr zu den entsprechenden Stellen im Gehirn, um dort alles, was
an Endorphinen, Opiaten und Hormonen bereitsteht, in Richtung Glücksempfinden
zu jagen
PURE - „In den nunmehr
28 Bühnenjahren und der über 23 jährigen Zusammenarbeit
mit meiner Band, den „Auvrettes“, habe ich immer die Situation genossen,
mit anderen gemeinsam Musik entstehen zu lassen. Zum einen als führende
Melodiestimme, zum anderen eingebettet in den Klang der anderen
Instrumente. Und dann war da immer dieser Moment in den Konzerten,
bei dem das Akkordeon alleine - pure - für sich stand. Kein Moment,
um auf Fingerfertigkeit oder Virtuosität zu setzen, sondern auf
Ausdruck und Gefühl. Da spürt man - auch als Spieler - ganz unmittelbar
die vielfältige Gestaltungskraft des Balges, der geführt werden
möchte.
Mit dieser Produktion habe ich versucht, diesen Augenblick festzuhalten.
Mein Anliegen war, die ganze Dynamik aufzuzeigen, die im Balg des
Akkordeons steckt und die sein Leben ausmacht. Ich wollte, dass
man vom leisesten, traurigsten Einzelton bis hin zum lautesten,
lebensbejahenden Akkord die ganze Palette hört und fühlt. Das geht
nämlich - fast zwangsläufig - durch die anderen Instrumente ein
wenig unter.“
Bei den Vorbesprechungen für die Aufnahmen zu „pure“ wurde schnell
deutlich, dass es sich hier um eine besondere Aufnahmesituation
handelt. Akkordeon solo sollte im Raum erklingen und den Hörer ganz
persönlich und direkt erreichen, und damit auch der Eindruck:
Lydie sitzt neben oder vor mir und spielt nur für mich. - Da
von Anfang an klar war, dass die Aufnahmen auch als 5.1 Surround
Sound Produktion erscheinen würden, haben wir uns bei der Mikrophonierung
um eine sehr räumliche und naturgetreue Abbildung des Akkordeons
bemüht. Und das ist hörbar gelungen dank der hervorragenden Aufnahmearbeit
von Brigitte Angerhausen (www.angerhausen.org).
TANGO TOUJOURS - Es ist ein bisschen wie beim Blues:
da bekommt man im Wesentlichen nur drei Harmonien geboten – beim Tango
ist es nur ein einziger Rhythmus. Umso mehr kommt es an auf die Farben,
die Klänge, die Melodien, die Spielkultur und Musikalität, und hier
– wer hätte anderes von Lydie Auvray und ihren Auvrettes erwartet
– lässt es Tango Toujours an nichts fehlen. Unverbesserlich leicht
und elegant kommt die Musik daher, mal getupft, gehaucht und pointilistisch,
mal gezirkelt, mal gestanzt, immer mit Delikatesse und Seele zelebriert,
schlendern die Tangos einer nach dem anderen oder stolzieren, schleichen,
tänzeln, schreiten an unser Ohr und von dort ins Herz. Und in die
Beine.
Verstärkt und aufs allerfarbigste unterstützt
werden die Auvrettes bei diesem Album vom Streichquartett Indigo,
und es klingt so homogen und warm, dass man glauben könnte, diese
Zusammenarbeit sei in Jahren erprobt. Es ist als hätten sich zwei
gefunden, die einander schon lang gesucht haben, man hört die
Sympathie, sie überträgt sich und schwingt mit. Schön auch, wie
der Streicherklang den Hauch von „Alte Welt" verstärkt, von
dem der Tango schon immer umweht ist, die Prise Melancholie, das
Zarte, fast scheue Element dieser von sich aus filigranen Musik.
Dies ist eine neue Facette im Oeuvre von Lydie
Auvray, wie immer von ihrer Eigenart und Originalität geprägt, und
diesmal mit einer zweifachen Verneigung dargeboten: einmal vor dem
Tango, dieser eindringlichen und distinguierten Musik und dann vor
dem Streichquartett als Klangkörper mit seiner anrührenden,
beseelten Raffinesse des Ausdrucks und Klarheit und Wärme seiner
Farben.
Beim Hören von Tango Toujours verspürt man Sehnsucht. Und fühlt
sich doch wie angekommen. Vielleicht ist es die Sehnsucht nach solcher
Musik? Nach dieser Musik? Deren Vorhandensein wir erst in dem Moment
bemerken, da sie erfüllt wird?
PREMIERE + PARADISO - Die beiden Produktionen "Premiere"
(1981) und "Paradiso" (1983) haben 70 Minuten Musikgeschichte
geschrieben. Es gelingt der "Hexe auf den tausend Knöpfen" die
als bierselig verschrieene Atmosphäre des Akkordeons mit einer
gelungenen Mischung aus Jazz, Pop und sphärischen Klängen
wegzuspielen und dem alten, Anfang der 80er Jahre für die moderne
Musik totgeglaubten Instrument neues Leben einzuhauchen.
Quer durch Tango, Blues und Rock zeigt die Französin eindrucksvoll,
dass in den Klangmöglichkeiten des Akkordeons mehr steckt, als
manch einer geglaubt hätte, und dass sie im Zusammenspiel mit
ihrer Band - den Auvrettes - ein wunderschönes Bild stimmungsvoller
Musik malen kann.
Hier sind die bahnbrechenden ersten Produktionen auf CD, im Ton gründlich
nachbearbeitet. Mit den Klassikern "Pic" (Hommage an den berühmten
Roncalli-Clown, der die Musik für eine seiner Nummern verwandte),
"Rumba Pa Ti", "Ca Va", "Tiko Tiko" u. a.
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