Chumbawamba

"The Boy Bands Have Won ..." - 2008 (CD - 87154)

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Jeder kennt sie - spätestens seit ihrem Top-Hit "Tubthumping" aus dem Jahre 1997. Musikalisch nicht unbedingt typisch für das, was die Band davor und danach gemacht hat. - Chumbawamba sind zurück, ausgestattet mit akustischen Gitarren, Akkordeon, Trompete, fünfstimmigem Satzgesang, jeder Menge Haltung und einem neuen Album mit 25 Tracks und dem längsten Plattentitel der Musikgeschichte! Er setzt sich aus 156 Wörtern zusammen und beginnt mit "The Boy Bands Have Won …" - betrachten wir das einfach einmal als sein Pseudonym.

Chumbawamba sind anders. Das war schon vor 20 Jahren so, als sie ihr erstes Album herausbrachten: "Pictures of Starving Children Sell Records", eine Reaktion auf Live Aid. Und Chumbawambas Mission damals wie heute besteht darin, interessant und fesselnd zu sein, intellektuell und verständnisvoll.

So ist auch das neue Album ein Konglomerat ähnlicher Vorstellungen - einige nur flüchtige Gedanken, andere ausgewachsene Kompositionen. Es ist von sanftem, warmem Grundton, aber voll hintergründigem Sarkasmus, denn es gibt nichts Schlimmeres, als wischiwaschi zu sein, nichts Schlimmeres, als einfach nur nett zu klingen und bloß Kulisse zu sein für eine milde, angenehme Schönwetter-Wellness-Szenerie.

Mit "The Boy Bands Have Won ..." erleben wir Chumbawamba als eine Band mit Stil und mit der Idee, unsere eigene Kultur zu recyceln. Da verfügen wir in unseren Breitengraden über diese gewaltige Geschichte, über diese immense Ansammlung an "Material", in musikalischer Hinsicht wie in historischer, in der Kunst, im Sport, in der Politik und in Millionen anderer Bereiche. Wir müssen nur zugreifen! So hat die Band neue Melodien komponiert, Texte geschrieben und alles vermengt mit eben diesen Vorstellungen, die wir von unserer Kultur haben, vermengt mit Reproduktionen ihrer selbst aus der Vergangenheit, vermengt in einer Vielzahl musikalischer Stile und hat damit herumgespielt, mit dem, woraus sich Chumbawamba bisher zusammensetzte. Denn genau das ist es, was zu viele andere Künstler tun: nur auf das bewährte Rezept vertrauen. Wird langweilig mit der Zeit … Hier sind also wieder, Chumbawamba, nur wieder anders. Und anders. Und anders.

Auf dem Album vertreten auch viele Gäste wie die Oysterband, Roy Bailey, Robb Johnson, Barry Coope oder Jim Boyes. Und manche der 25 Songs behandeln all die wichtigen Dinge wie Lyrik, Krieg, Tod, Unterhosen und Lord Batemans Motorradunfall. Zu hören gibt es außerdem ein wenig Schwergewichtsringen mit W. H. Auden, Bertolt Brecht und Lord Bono oder ein Lied über El Fusilado, den Mann, der eine standrechtliche Erschießung überlebte. Ein Lied über Gary Tyler, der 30 Jahre unschuldig in einer amerikanischen Todeszelle saß. Ein Lied über Maggie Thatcher. Die Lieder sind himmelhochjauchzend, zu Tode betrübt, leise, laut, langsam, schnell - das alles in einem großen bunten Mix. The Boy Bands Have Won … ist ein wahres zeitgenössisches Konzeptalbum.