Talking Horns

Hornsite

Vier Männer, viel Blech und etwas Holz

Jazzthetik:

Unter Kopfhörern greift der abgrundtiefe Ton der Tuba - man könnte sagen gezielt – die empfindsamen Regionen des Unterleibs an. Das nette Wortspiel „born to be horn“ erhält dadurch eine ganz neue Aussage. Die Talking Horns gebärden sich keineswegs als Gehörnte und nehmen vor allem niemanden aufs Horn. Selbst angesichts des Band-Maskottchens – den Corporate-Design-Nashorn, das erstmals 1996 als Covergirl auf Fisch im Wasser auftauchte -, bleibt das Quartett auf dem Boden der Polyphonie und Harmonik.
Bei „Ragapapa“ übernimmt die Tuba stellvertretend den Part des Kontrabasses, ein ganz tiefer Bordunton kitzelt beständig Bauch und andere Körperteile. Die meisten der 21 Titel komponierten die Band oder einzelne Musiker selbst. Die „Sarabande“ von Johann Sebastian Bach verlängerte Achim Fink in eine Latinomusiksprache, ein Kirchenlied von Melchior Vulpius generiert Stephan Schulze zu „Gods Own Spaceship“. Schließlich rekapituliert dieser Schulze die „Pavane pour une infante défunte“ von Maurice Ravel in schönster Wohlklangtemperatur. „Ein kleines Lied, möbliert“ setzt die Sarabande von Bach in stilistischer Annäherung fort. Ohne Grenzen verkörpert es die Vielsprachigkeit der Musik im Allgemeinen. Glasklare Harmonik und eine differenzierte Auseinandersetzung mit den Vordenkern der Klassik und der modernen Musik zeigen auch, wie sich die Spannbreite der Blasinstrumente noch erweitern lässt. Für „Arme Leute Funk“ benötigen die sprechenden Hörner einen Schlagzeuger, den sie in Stefan Krachten (Dunkelziffer, Unknown Cases, Trance Groove) fanden. Auch hier gibt die Tuba den Ton an, der Rest schwelgt in rhythmischer Begeisterung für die afroamerikanischen Bestandteile des Funk. Talking Horns liefern Spartenmusik aus der Abteilung „born to be horn“: experimentell, neugierig, bewegend-durcheinander. - Klaus Hüber * * * * * (von 5 Sternen!)


Jazzpodium

Zwei Blech- und zwei Holzbläser spielen stilübergreifende Musik, ohne elektronischen Schnickschnack, dafür aber mit ausgefeilten Arrangements und viel Siel- und Improvisationsfreude. Das ist eine kurze Beschreibung für die Kultband Talking Horns mit Achim Fink, Andreas Gilgenberg, Stephan Schulze und Bernd Winterschladen. Das Quartett versteht es, musikalische Geschichten zu erzählen, die Raum für eigene Phantasien lassen: Ihre Eigenkompositionen wie „Ragapapa“, „Das Lauern“, “Autoputt oder „Hottenbacher Kriminalherbst“ klingen als Musik ebenso spannend und vielversprechend wie die vielsagend humorigen Titel. Dank der variabelen Ausdrucksmöglichkeiten auf verschiedenen Instrumenten wvon der Basstrompete bis zur Altflöte und nicht zuletzt wegen des geschickt angelegten rhythmisch-harmonischen Grundgerüsts pendeln die Talking Horns von kuscheliger Homophonie bis zu komplexer Polyphonie und Polyrhythmik. Dabei klingen sie mal wie ein klassisches Quartett, dann wieder wie eine Big Band. Messerscharfe Bläserriffs wechseln sich mit lyrischen Passagen ab. Kurzum: Der Hörer kann seinen Ohren nicht immer trauen und sollte sich einfach nur auf die schillernden Klangwelten der Talking Horns eilassen. Dann ist absoluter Hörgenuss garantiert. - Andreas Geyer


Jazzthing, Rubrik “modern”

Vier Blasinstrumente, zweimal Holz, zweimal Blech mehr braucht das Kölner Quartett Talking Horns nicht, um eine unglaublich vielschichtige Musik zu spielen. Achim Fink, Andreas Gilgenberg, Stephan Schulze und Bernd Winterschladen zaubern auf Posaune, Tuba, Basstrompete, Saxophonen, Altflöte, Flügelhorn oder Bassklarinette 21 kleine Musikminiaturen, denen man nur zu gerne lauscht. Sei es eine fröhlich entspannende Reggae-Nummer, spannende Bearbeitungen von Bach und Ravel, eine verträumte Ballade, musikalische Reisen nach Südafrika und auf den Balkan oder Momente, die an die Struktur klassischer Streichquartette erinnern. Die vier Musiker schaffen immer wieder neue Klangbilder. Mal polyphon und polyrhythmisch, mal kammermusikalisch, mal lyrisch sanft, mal funkig und mir Groove. Hier tutet munter und ideenreich eine Viererbande, das es eine Freude ist.
Und das nicht unbedingt nur für Fans von Blasinstrumenten. - Christoph Giese


Clarino Print

Der Name ist Programm. Denn die Talking Horns erzählen tatsächlich Geschichten. Und das tun sie so abwechslungsreich – mal idyllisch homophon, kammermusikalisch und mal komplex polyphon – und so begeistert und begeisternd, dass es die reine Freude ist. Man möchte nicht aufhören, dieser blanken Spielfreude auf höchstem technischem und musikalischem Niveau zuzuhören. Musikalisch werden hier von dem Bläserquartett alle kompositorischen und improvisatorischen Möglichkeiten eindrucksvoll genutzt.
Eine Schublade reicht da nicht aus. Muß ja auch nicht. - H. Ä.


Hörspiegel-Meinung

Da sind sie wieder, die vier verrückten Bläser von Talking Horns. Dass Blasinstrumente mehr sind als die Untermalungshilfsmittel bei Festumzügen, dass man mit Blasinstrumenten verschiedene Musikstile bedienen und deren Hörer begeistern kann, dafür stehen die Talking Horns. Mit 21 sehr unterschiedlichen Stücken schaffen die Herren eine ausgesprochene Vielfalt, bei der Jedermann sein Stück finden kann. Ein Album mit sehr interessanten Tönen, spielerisch leicht umgesetzt, als sei es eine Selbstverständlichkeit.
Ein Album, bei dem sich sicherlich nicht die Tanzflächen füllen. Das scheint auch nicht gewollt.
Hier spielen Könner zusammen, die mit ihrer Leichtigkeit des musikalischen Vortrags zu überzeugen wissen. Wer die Band näher betrachten möchte hat auch dazu Gelegenheit, denn auf der CD finden sich in einem Multimediatrack Fotos. - Michael Brinkschulte


sound and image

Vier Herren, viel Wind. Achim Fink, Andreas Gilgenberg, Stephan Schulze und Bernd Winterschladen sind allesamt ausgekochte Blechbläser mit viel Sturm unter der Nase und komplexem Musikgeschmack im Blut. Ihre Arbeitsgeräte sind alle Arten von Saxophonen, Posaune, Bassposaune, Basstrompete, Tuba, Altflöte, Flügelhorn, Tenortrompete und Bassklarinette. Und all das ohne jede Fremdbegleitung. Blechernes A Cappella also. Und damit das alles nicht in eindimensionaler Kammermusik versumpft, hat man ein Repertoire zusammengestellt, wie man es vielleicht nur noch in einem Gemischtwarenladen in der Alstadt von Casablanca findet. Die Talking Horns aus Köln blasen alles an, was ihnen ins Mundstück gerät: mongolische Steppensounds, jamaikanischer Tuba-Reggae, den heimischen Schweinestall, klassische Bach-Adaptionen, deutsches Liedgut, Melodien from outer space, ein Eichhörnchenballett, Arme-Leute-Funk oder Balkan-Horas. Polyphonie und Polyrthmik sind Begriffe, die hier bis zum letzten Tönchen ausgereizt werden. Kein Album also zum bequemen Zurücklehnen, sondern 21 Möglichkeiten zum vergnüglichen Perzipieren. - Klaus Halama


HR2 - Kultur

Mikado - CD der Woche 18.-23. Februar 2008
Talking Horns: "Born to be horn"

Die Talking Horns, das sind vier Männer mit viel Blech, ein bisschen Holz und einem Arsenal an unterschiedlichsten Perkussionsinstrumenten. Ihr Ziel sind die Geschichten, die sie mit ihrer Musik erzählen wollen und so passt der Titel ihrer neuen CD "Born To Be Horn" bestens ins Bild.

Die vier Musiker sind bei weitem keine Puristen und auch nicht dafür gemacht. Schubladendenker haben bei Ihrer Musik wenig Chancen fündig zu werden. Wer also eher offen ist, den Jazz liebt oder es mag, wenn es viel und stetig "grooved", aber auch dem kammermusikalischen Moment etwas abgewinnen kann, der möge bei den Talking Horns die Ohren weit aufsperren.
Ihre neue CD "Born To Be Horn" verspricht nicht nur, sie ist eine Reise durch verschiedene Musikstile, zusammengehalten vom Spielwitz und der Freude der Talking Horns, die dafür weder Elektronik noch Verstärker brauchen. Ihre Instrumente vollführen ständig Rollenwechsel und schaffen dadurch bisweilen den Eindruck, als würde da eine ganze Bigband am Werk sein.