Oysterband
"Meet you there" - 2007 (CD 87141)
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"The 25th Anniversary Concert" - 2005 (DVD 87111)
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Oysterbands Big Session

Oysterband with Eliza Carthy, The Handsome Family, Ben Ivitsky, Jim Moray, James O'Grady, Show of Hands and June Tabor

"The Big Session - Volume 1" - 2004 (CD 87105)
     
  Früher waren sie die Bad Boys der Folk-Rock-Szene, aber in den vergangenen Jahren hat sich die Oysterband zu Mentoren des BritFolk entwickelt. Sie gingen u. a. mit neuen, jungen Talenten auf Tourneen oder luden sie zu ihrem Festival "The Big Session" ein. Viele der damaligen Youngster sind heute Stars der Folkszene. Das Big Session-Festival geht 2007 ins dritte Jahr und wird wie in den Jahren zuvor ausverkauft sein (June 15- 17 - Leicester). Daneben gab es für die Oysters Preise und Nominierungen - z. B. BBC Folk Awards 2005 (Best Group) und BBC Radio 2 "Good Tradition" in 2003.

Die Rolle als Mastermind, die die Band teilweise spielte und spielt, inspirierte und beförderte auch die ohnehin vorzüglichen musikalischen Qualitäten der Bandmitglieder. Die Kehrseite der Medaille war, dass die Oysterband sich als Band, als homogene Formation, etwas aus den Augen verlor und sich als zusammengehörendes Ganzes erst wieder entdecken musste. "Wir mussten uns des grundlegenden Kicks wieder bewusst werden, der die Band fast 30 Jahre lang angetrieben hat - gemeinsam neue Songs für uns selbst zu schreiben", erzählt Ian Telfer. "Wir bauten also unsere Anlage in einer kleinen Halle in einem Dorf nahe der walisischen Grenze auf und machten nichts anderes, als gemeinsam neue Songs zu entwickeln. Dieses Miteinander öffnet uns Türen, die Lieder wachsen und fangen an zu atmen und zu leben."

Kreativität im Kollektiv - das macht einen Großteil der Bandphilosophie aus. Als die Strukturen der neuen Songs Gestalt angenommen hatten, nahmen die Oysters die besten Ideen und Takes ins "The Premises" (Europas erstem komplett mit Solarstrom betriebenem Studio) nach Hackney mit. Da wurde dann weiter am Gesang und der Instrumentierung gefeilt; finale i-Tüpfelchen wurden dann noch im Studio in Brighton und Choppers Studio in Schweden eingebracht.

"Ich denke, die lange Vorbereitung und das penible Arbeiten hat dem Album enorm gut getan", sagt Telfer. "Der Gesang - und zwar eines jeden von uns - ist auf Meet You There so gut wie noch nie. Der unbändige Drang, der uns immer on the road trieb mit den The Pogues und anderen, hat sich zu etwas Wertvollem, zu einer kraftvollen Erfahrung kanalisiert", die auf dem neuen Album deutlich zu spüren ist. "Als wir mit allem fertig waren, das Ergebnis noch mal abhörten, hatten wir alle den gleichen Gedanken: Ja!!! Stark und echt! Es war im wahrsten Sinne des Wortes erfrischend - und tat auch unserem Selbstbewusstsein gut."

"Meet You There" bietet zweifellos eine neue Sichtweise auf Folk. Man nehme auf der einen Seite das mbira-Intro von Chopper zum Opener "Over The Water" und als Kontrast dazu die bestechende Rockabilly-Gitarre von "Someone Somewhere". Als Beispiele für den fantastischen Gesang mögen "Over The Water", "Where The World Divides", "The Boy's Still Running" und das verträumte, hymnische "Dancing As Fast As I Can" herhalten. Und mit "Here Comes The Flood" ist ein politisches Statement gegen die Globalisierung (begleitet von einer fröhlichen Jugband) zu hören.

"Meet You There ist das konsequenteste Ding, das wir als erwachsene Band je gemacht haben", sagt Ian Telfer weiter. "Es hat das, was ich als die Oyster-Markenzeichen bezeichnen würde: ein gutes Ohr für exzellente Gesangsstücke, gradlinige Texte, ironische Politik-Statements und eine Art von tief verwurzelter Musikalität, die trotz aller Virtuosität ganz leicht rüberkommt. Ich würde sagen, es ist hauptsächlich akustisch und hauptsächlich auf dem Folk aufgebaut".

"The 25th Anniversary Concert" - aufgenommen im Dezember 2003 im Londoner "The Forum"; mit dabei: June Tabor und Chumbawamba (Acoustic). 18 tracks plus Bonusmaterial.

The Big Session: Nach Tausenden von Konzertauftritten und unzähligen Privat-Sessions nur für sich selbst und für Freunde (im Pub, in der Küche, hinter der Bühne ...) kam diese einfache, aber ziemlich subversive Idee auf: lasst uns diese informelle Alle-tragen-was-bei-Stimmung einer Session irgendwie festhalten und auf die große Bühne übertragen - mal sehen, was passiert.

Für die Oysterband war es nichts Ungewöhnliches, mit 'special guests' in der traditionellen Art und Weise auf der Bühne aufzutreten. Dieses Mal aber sollte es anders sein. Jeder sollte sich überlegen, was er oder sie singen oder spielen möchte, und die anderen machen dann, ohne lange zu proben, einfach mit (Zum Teufel mit dem all dem Feintuning an und bei den Produktionen!!). Das war der Plan für The Big Session - eine neue Form des gemeinsamen Auftretens? So jedenfalls die Hoffnung.

Die Versuche stimmten von Mal zu Mal zuversichtlicher und mündeten in The Big Session-Tourneen. Das waren keine Oysterband-Konzerte mit Gästen – hier trug jeder Mitwirkende maßgeblich zum Ablauf des gesamten Abends bei, unter dem Mantel des Namens der Einladenden, der Oysterband. In all den Jahren wuchs die Gewissheit der Beteiligten, das dies Konzept auch tragfähig genug für eine CD-Produktion ist. Anfang 2004 wurde für drei Tage und Nächte ein kleiner Veranstaltungsort in London, die Bush Hall, angemietet, etwas Werbung organisiert, ein mobiles Studio vor der Tür geparkt und im Mai 2004 vor relativ kleinem Publikum das erste Big Session-Album aufgenommen.

Zur Elite der jüngeren britischen Folk/Roots-Künstler der letzten Big Session-Tour (Eliza Carthy, Ben Ivitsky, Jim Moray, James O'Grady) gesellten sich noch einige langjährige Freunde, Steve Knightley und Phil Beer (beide: Show of Hands) und June Tabor. Und als unvorhersehbarer künstlerischer Faktor in dem Mix wurden die fast schon exzentrisch zu nennenden American Gothic-Künstler Brett und Rennie Sparks (The Handsome Family) rekrutiert. Die Handsome Family werden normalerweise als Stars des ‘alternativen Country’ bezeichnet - was sie jedoch mit allen anderen an diesem Projekt Beteiligten gemeinsam haben, sind ihre Wurzeln in der fruchtbaren Erde traditioneller Musik und deren Geschichte. Und The Big Session zeigt, wie wundersam und vielfältig die Blumen sein können, die daraus hervorgehen.

Die Aufnahmetage und –abende gestalteten sich komplex: den ganzen Tag über entstanden Arrangements, die sich bei den Shows am Abend dann wieder veränderten; Stimmen und Instrumente kamen und gingen; Kolleginnen und Kollegen, die sich gegenseitig schätzten, aber möglicherweise noch nie getroffen hatten, fanden zueinander, um gemeinsam Musik zu machen. Es war beängstigend, aber aufregend. Ein Song entzündete die Idee für den nächsten, woraus faszinierende Kontraste entstanden (oder Frontalzusammenstöße) - zwei Songs über die wilde Natur, zwei über die Apokalypse, zwei vollkommen verschiedene Ansichten über das Landleben, eine ganze Horde glücklich und unglücklich Verliebter ...

Das Ergebnis unterm Strich: eine Aufnahme von seltener Präsenz und leidenschaftlichem Gesang voller Herzblut. Einiges davon ist düster, einiges sprüht vor Freude. Es ist ganz und gar nicht das, was man normalerweise mit all den technischen Hilfsmitteln anstellt, die ein modernes Studio zu bieten hat. Aber trotz alledem oder gerade deswegen ist es atemberaubend. Vielleicht ist es ja genau das, was passiert, wenn talentierte Musiker sich freiwillig dazu zwingen lassen, einfach zu sein.