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Früher waren sie die Bad Boys der Folk-Rock-Szene, aber in
den vergangenen Jahren hat sich die Oysterband zu Mentoren des BritFolk
entwickelt. Sie gingen u. a. mit neuen, jungen Talenten auf Tourneen
oder luden sie zu ihrem Festival "The Big Session" ein.
Viele der damaligen Youngster sind heute Stars der Folkszene. Das
Big Session-Festival geht 2007 ins dritte Jahr und wird wie in den
Jahren zuvor ausverkauft sein (June 15- 17 - Leicester). Daneben
gab es für die Oysters Preise und Nominierungen - z. B. BBC
Folk Awards 2005 (Best Group) und BBC Radio 2 "Good Tradition"
in 2003.
Die Rolle als Mastermind, die die Band teilweise spielte und spielt,
inspirierte und beförderte auch die ohnehin vorzüglichen
musikalischen Qualitäten der Bandmitglieder. Die Kehrseite
der Medaille war, dass die Oysterband sich als Band, als homogene
Formation, etwas aus den Augen verlor und sich als zusammengehörendes
Ganzes erst wieder entdecken musste. "Wir mussten uns des grundlegenden
Kicks wieder bewusst werden, der die Band fast 30 Jahre lang angetrieben
hat - gemeinsam neue Songs für uns selbst zu schreiben",
erzählt Ian Telfer. "Wir bauten also unsere Anlage in
einer kleinen Halle in einem Dorf nahe der walisischen Grenze auf
und machten nichts anderes, als gemeinsam neue Songs zu entwickeln.
Dieses Miteinander öffnet uns Türen, die Lieder wachsen
und fangen an zu atmen und zu leben."
Kreativität im Kollektiv - das macht einen Großteil
der Bandphilosophie aus. Als die Strukturen der neuen Songs Gestalt
angenommen hatten, nahmen die Oysters die besten Ideen und Takes
ins "The Premises" (Europas erstem komplett mit Solarstrom
betriebenem Studio) nach Hackney mit. Da wurde dann weiter am Gesang
und der Instrumentierung gefeilt; finale i-Tüpfelchen wurden
dann noch im Studio in Brighton und Choppers Studio in Schweden
eingebracht.
"Ich denke, die lange Vorbereitung und das penible Arbeiten
hat dem Album enorm gut getan", sagt Telfer. "Der Gesang
- und zwar eines jeden von uns - ist auf Meet You There so gut wie
noch nie. Der unbändige Drang, der uns immer on the road trieb
mit den The Pogues und anderen, hat sich zu etwas Wertvollem, zu
einer kraftvollen Erfahrung kanalisiert", die auf dem neuen
Album deutlich zu spüren ist. "Als wir mit allem fertig
waren, das Ergebnis noch mal abhörten, hatten wir alle den
gleichen Gedanken: Ja!!! Stark und echt! Es war im wahrsten Sinne
des Wortes erfrischend - und tat auch unserem Selbstbewusstsein
gut."
"Meet You There" bietet zweifellos eine neue Sichtweise
auf Folk. Man nehme auf der einen Seite das mbira-Intro von Chopper
zum Opener "Over The Water" und als Kontrast dazu die
bestechende Rockabilly-Gitarre von "Someone Somewhere".
Als Beispiele für den fantastischen Gesang mögen "Over
The Water", "Where The World Divides", "The
Boy's Still Running" und das verträumte, hymnische "Dancing
As Fast As I Can" herhalten. Und mit "Here Comes The Flood"
ist ein politisches Statement gegen die Globalisierung (begleitet
von einer fröhlichen Jugband) zu hören.
"Meet You There ist das konsequenteste Ding, das wir als erwachsene
Band je gemacht haben", sagt Ian Telfer weiter. "Es hat
das, was ich als die Oyster-Markenzeichen bezeichnen würde:
ein gutes Ohr für exzellente Gesangsstücke, gradlinige
Texte, ironische Politik-Statements und eine Art von tief verwurzelter
Musikalität, die trotz aller Virtuosität ganz leicht rüberkommt.
Ich würde sagen, es ist hauptsächlich akustisch und hauptsächlich
auf dem Folk aufgebaut".
"The 25th Anniversary Concert"
- aufgenommen im Dezember 2003 im Londoner "The Forum";
mit dabei: June Tabor und Chumbawamba (Acoustic). 18 tracks plus
Bonusmaterial.
The Big Session: Nach Tausenden von Konzertauftritten und
unzähligen Privat-Sessions nur für sich selbst und für Freunde (im
Pub, in der Küche, hinter der Bühne ...) kam diese einfache, aber
ziemlich subversive Idee auf: lasst uns diese informelle Alle-tragen-was-bei-Stimmung
einer Session irgendwie festhalten und auf die große Bühne übertragen
- mal sehen, was passiert.
Für die Oysterband war es nichts Ungewöhnliches, mit 'special
guests' in der traditionellen Art und Weise auf der Bühne aufzutreten.
Dieses Mal aber sollte es anders sein. Jeder sollte sich überlegen,
was er oder sie singen oder spielen möchte, und die anderen machen
dann, ohne lange zu proben, einfach mit (Zum Teufel mit dem all
dem Feintuning an und bei den Produktionen!!). Das war der Plan
für The Big Session - eine neue Form des gemeinsamen Auftretens?
So jedenfalls die Hoffnung.
Die Versuche stimmten von Mal zu Mal zuversichtlicher und mündeten
in The Big Session-Tourneen. Das waren keine Oysterband-Konzerte
mit Gästen – hier trug jeder Mitwirkende maßgeblich zum Ablauf des
gesamten Abends bei, unter dem Mantel des Namens der Einladenden,
der Oysterband. In all den Jahren wuchs die Gewissheit der Beteiligten,
das dies Konzept auch tragfähig genug für eine CD-Produktion ist.
Anfang 2004 wurde für drei Tage und Nächte ein kleiner Veranstaltungsort
in London, die Bush Hall, angemietet, etwas Werbung organisiert,
ein mobiles Studio vor der Tür geparkt und im Mai 2004 vor relativ
kleinem Publikum das erste Big Session-Album aufgenommen.
Zur Elite der jüngeren britischen Folk/Roots-Künstler der letzten
Big Session-Tour (Eliza Carthy, Ben Ivitsky, Jim Moray, James O'Grady)
gesellten sich noch einige langjährige Freunde, Steve Knightley
und Phil Beer (beide: Show of Hands) und June Tabor. Und als unvorhersehbarer
künstlerischer Faktor in dem Mix wurden die fast schon exzentrisch
zu nennenden American Gothic-Künstler Brett und Rennie Sparks (The
Handsome Family) rekrutiert. Die Handsome Family werden normalerweise
als Stars des ‘alternativen Country’ bezeichnet - was sie jedoch
mit allen anderen an diesem Projekt Beteiligten gemeinsam haben,
sind ihre Wurzeln in der fruchtbaren Erde traditioneller Musik und
deren Geschichte. Und The Big Session zeigt, wie wundersam
und vielfältig die Blumen sein können, die daraus hervorgehen.
Die Aufnahmetage und –abende gestalteten sich komplex: den ganzen
Tag über entstanden Arrangements, die sich bei den Shows am Abend
dann wieder veränderten; Stimmen und Instrumente kamen und gingen;
Kolleginnen und Kollegen, die sich gegenseitig schätzten, aber möglicherweise
noch nie getroffen hatten, fanden zueinander, um gemeinsam Musik
zu machen. Es war beängstigend, aber aufregend. Ein Song entzündete
die Idee für den nächsten, woraus faszinierende Kontraste entstanden
(oder Frontalzusammenstöße) - zwei Songs über die wilde Natur, zwei
über die Apokalypse, zwei vollkommen verschiedene Ansichten über
das Landleben, eine ganze Horde glücklich und unglücklich Verliebter
...
Das Ergebnis unterm Strich: eine Aufnahme von seltener Präsenz
und leidenschaftlichem Gesang voller Herzblut. Einiges davon ist
düster, einiges sprüht vor Freude. Es ist ganz und gar nicht das,
was man normalerweise mit all den technischen Hilfsmitteln anstellt,
die ein modernes Studio zu bieten hat. Aber trotz alledem oder gerade
deswegen ist es atemberaubend. Vielleicht ist es ja genau das, was
passiert, wenn talentierte Musiker sich freiwillig dazu zwingen
lassen, einfach zu sein.

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